Mittwoch, 27. Oktober 2010

Touch or Keep in touch ?


Manchmal verspüre ich Momente, in denen mir gewisse Menschen aus meinem Leben fehlen. Ich habe sie zwar selbst in die Fremde entlassen oder wir verlierten beide das Interesse am Leben des anderen, dennoch gibt es Situationen der Nostalgie. 

Es kommt vor, dass einer Kontakt aufnimmt. Wie ist das Leben, wo spielt es sich ab, wann begegnet man sich eventuell wieder an diesem bestimmten Ort? Zumeist versprühen dann auch beide Freude alte Erinnerungen aufleben zu lassen.

Selten jedoch existiert wahres Interesse am momentanen Leben. Klingt seltsam? Nunja, wenn man nach der derzeitigen Lebenssituation fragt, dennoch keine Regung zur Beteiligung findet oder vor hat weithin danach zu fragen, ist es im Grunde nur eine Kontaktaufnahme mit der Persönlichkeit an sich. Da man nichts mit dieser zeitlich entwickelten Person anfangen kann, schwilgt man im Grunde nur in der Vergangenheit. Es wird das Erinnerungsbild aufgerufen und projeziert. 

Meistens gibt man sich mit einem solchen "Touch", einer solchen Berührung, zufrieden. Man weiß noch um die Existenz des anderen und einigt sich auf einen weiteren "Touch" irgendwann mal. "Keep in touch" ist nur eine Phrase, die man nutzt aber nicht umsetzt.

Auch gibt es die Möglichkeit, dass die angesprochene Seite mit karger Wortlosigkeit antwortet. Damit muss man rechnen. Schließlich bestimmt der Weg des Abschieds und die persönliche Prägung des Menschens die Haltung zur Erinnerung.

Es kann aber auch anders sein. Obwohl es ein Ende mit Schrecken war, lässt die Erinnerung auch nach einer gewissen Zeit nicht nur nicht los. Nein, es besteht das Bedürfnis nach "Keep in touch"- ein einfaches "Touch" reicht nicht.


Er fehlte mir irgendwie die gesamte Zeit über. Manchmal flammte die Sehnsucht nach Kontakt auf, meistens geriet sie im Alltag des Lebens in Vergessenheit. Letztens überkam mich wieder das Bedürfnis danach und ich weiß nicht wirklich, warum aber ich nahm Kontakt auf. Auf die erste Antwort zu warten, ist wohl der spannenste Moment. Vielleicht gibt es gar keine Gegenreaktion. 

Nun, ich bekam eine Antwort. Es überraschte mich, wie gut wir uns doch von Anfang an verstanden. Es war wie vor fast 2 Jahren. Seltsam. Es ist die absolut gleiche Situation- auch auf emotionaler Ebene. Meine bloße Sympathie für ihn ist einfach nicht zu leugnen. Ich würde gerne wieder Kontakt aufbauen und eine echte Freundschaft schließen. Es diesmal richtig anstellen.

Problematisch sehe ich jedoch sein Befinden. Sogar nach fast 2 Jahren, nach diesem hässlichen Ende, nach dieser Totenstille hat sich seine Gefühlswelt anscheinend nicht verändert. Das verwirrt mich, verärgert mich, ängstigt mich. In Nostlagie zu schwimmen ist eine Sache, die Vergangenheit erneut zu leben eine andere. 

"Nur was die Vergangenheit gewährt ist ewig und unveränderlich, wie der Tod, und zugleich wie das Leben, warm und beglückend." Karl Wilhelm Freiherr von Humboldt

1 Kommentar:

  1. toller Text! Der erinnert mich an unsere Connection-unsere Situation. (:
    Meinst du mit dem letzen Teil Karl? ._.

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