"Du weißt doch selbst nicht wie oder was Du bist.", wollte mir letztens jemand vorwerfen. Über diese Aussage musste ich erst kurz nachdenken.
Ich kam zum Ergebnis, dass ich es nicht als Vorwurf oder negativ behaftet auffasse. Schließlich beinhaltet dieser Satz im Grunde die pure Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Bin ich ehrlich zu mir selbst kann ich kein grundständiges Argument dagegen aufbringen.
Ist das schlecht? Nein, finde ich nicht. Ich darf wohl in meinem Alter noch getrost sagen, dass ich die pubertäre Phase noch nicht überstanden habe. Fraglich, ob ich sie jemals überwinde - das ist jetzt jedoch nicht Thema. Ein- meiner Meinung nach- wesentlicher Bestandteil dieses "Entwicklungsabschnitts" ist nun mal die Selbstfindungsphase. Wann endet dieses unangenehme Prozedere, fragen sich nun vielleicht einige? Wenn Du Glück hast: niemals!
Blickt man zurück in vergangende Zeiten findet man wohl in jeder Epoche mindestens einen Schöngeist, der sich mit der verallgemeinerten Frage des Menschseins beschäftigte. Sokrates, Platon, Aristoteles, Kant, Nietzsche, Satre und viele weitere ungenannte und mir unbekannte geistige Vorreiter ihrer Zeit versuchten sich an Erklärungen und Definiton, Erforschung und Erkenntnis des Menschenbildes. Die Darstellung ihrer Theorien und Lehren würden jedoch den Rahmen sprengen.
Was ich damit sagen will, ist, dass der Mensch sich schon immer mit seiner selbst beschäftigt hat. Diese Beschäftigung endet bei einigen eher, bei anderen später- ich denke, bei mir vielleicht nie? Ich muss sagen, ich bin relativ instabil in meinem Sein. Selbstverständlich besitze ich gewisse Charakterzüge oder Handlungsweisen, die für mich prägend sind. Trotzdem kann ich mir nie sicher sein, ob das Darstellungsbild von heute auch morgen noch Gültigkeit findet.
Eine Zeit lang war es für mich sehr verstörend die Welt als einen verständnisvollen, hilfsbereiten, freundlichen und vorallem mitfühlenden Menschen zu betreten. Andererseits mich selbst im Spiegel über die Kälte in braunen Augen zu wundern, die ein Wesen mit sich bringen, welches auf gut Deutsch wohl als "Arschloch" zu bezeichnen ist und sich an der Freude von kleinen Grausamkeiten auszeichnet. Genauso habe ich eine soziale Ader, die gerne alle Menschen in all ihren Facetten betrachtet und genauso gern betreut. Der Gegensatz hierzu wäre die Einteilung von Menschen nach "interessant" und als Steigerung dazu "Sammelobjekt" oder "uninteressant", welche als Folge die Ignorierung ihrer Existenz mit sich zieht. Mittlerweile habe ich es akzeptiert immer wieder anders zu sein.
Wie ich das geschafft habe? Im Prinzip bringt es mir wenig viele, schlechte Gedanken darum kreisen zu lassen. Ich weiß nämlich selbst nicht wie ich sein möchte. Es existiert in meinem Kopf kein Vorbild, kein Abbild, welches ich anstreben könnte. "Cogito ergo sum" - "Ich denke, also bin ich" sagte einmal ein Philosoph. Ja, wahrscheinlich "bin ich" wirklich (da bin ich mir auch nicht sicher). Aber wie bin ich, was bin ich, was möchte ich sein?
Das absolut Absurde ist ja eigentlich, dass mich viele Menschen so lieben, wie ich bin. Sie würden nichts an mir ändern und mögen meine Art. Wie können sie jedoch Sympathie für das, was ich bin empfinden, wenn mir selbst nicht klar ist, wie mein "Bild" ist? Die meisten Menschen entscheiden sich schulisch gesehen zum Beispiel auch für eine Richtung bzw für ein bestimmtes Fach daraus. Gemeint ist, dass der eine Mathe toll findet- vielleicht noch die ein paar Naturwissenschaften dazu. Andere wiederum bevorzugen Geisteswissenschaften und oder Sprachen. Zur Auswahl stehen auch noch Sport und die künstlerische Richtung. Wie sieht's da bei mir aus? Sprachen, Chemie, Geschichte, Biologie, und Musik sind meine Favoriten immer gewesen. Ich kann mich nicht entscheiden. Medizin oder literarische(s) Ergüsse/Kotzen. Philosophie oder strenge Wissenschaft. Nochmal: ich kann mich nicht entscheiden. Es ist aber auch nicht nötig, finde ich. Die meisten Menschen jedoch entscheiden sich immer für eine bestimmte Richtung. Wie also können sie sich dafür entscheiden, mich zu mögen wie ich bin?
Vielleicht weiß ich nicht, wie oder wer ich bin, weil es mir an Entscheidungsfreude mangelt? Es ist der reinste Schmerz mir bei einer Entscheidung zuzusehen, die ich wirklich noch nicht getroffen habe - einige wissen, was ich meine. Liegt es daran?
Meine Gedanken fangen wieder an zu kreisen. Hierzu könnte ich noch viel, viel mehr sagen, erzählen, vermuten. Und nein, ich habe keine depressive Phase oder whatever. Ich beschäftige mich regelmäßig mit diesem Thema und jedes Mal endet es so. Ich bin müde, es ist spät. ich hatte einen grundlos mittelmäßigen Tag und ich komme nicht voran.
Ganz kurz noch: Ich empfinde diese rastlose Suche nicht unangenehm. Natürlich, eine Suche ist immer anstrengend und führt nicht immer zu einem Ergebnis. Dennoch weiß ich lieber selbst nicht wer oder wie ich bin oder sein möchte als jemand zu sein, der von sich selbst enttäuscht ist.
Was denkt ihr? Habt ihr diesen Entwicklungsprozess bereits abgeschlossen oder werdet ihr es jemals tun? Muss man unbedingt wissen, wie man ist? Sollte man wissen, wie man sein will? Sind wir alle?
And last but not least: Did you see my blue rabbit run past?
Ich habe diese Entwicklungsprozess noch lange nicht abgeschlossen.
AntwortenLöschenEs gibt noch so viele Fragen die ich über mich noch nicht beantwortet habe.
Ich muss mich erst noch ergründen, mich selbst akzeptieren.
Ob ich es jemals kann ist eine Frage die ich wohl erst beantworten kann, wenn ich die Entwicklung vollkommen abgeschlossen habe.
Jedoch besitze ich Grundzüge die ich mir vollkommen bewusst bin und die sich seit meiner Kinderheit nicht geändert haben.
Anderes bin ich mir überhaupt noch nicht bewusst, aber andere scheinen es zu sehen.
Ich bin für mich selbst - im Moment- ein Universum, groß und unergründlich.
Vielleicht auch ein Grund warum ich es hasse wen andere felsenfest glauben das SIE wissen wie ICH bin. Wie könnten sie das, wen ich noch nicht einmal weiß wer ich bin?
Ich denke man muss sich nicht auswendig kennen, aber Gewisse Züge seines Wesen schon. Doch das wichtigste ist es wohl sich selbst einfach akzeptieren zu können.
PS: Ich kann mich auch nie für eine "Richtung" entscheiden. Ich gelte als sehr sozial, gleichzeitig bin ich doch sehr Fit in der naturwissenschaftlichen Richtung. Gleichzeitig interessiert mich Kunst und Musik ungemein.
Ich werde mich nie "nur" für eine Richtung entscheiden können. Beruflich werde ich wohl den naturwissenschaftlichen oder sozialen Zweig wählen, jedoch werde ich immer die anderen Zweigen in meiner Freizeit folgen.
Dieser Entwicklungsprozess wird bei einem Menschen nie abgeschlossen sein, da ein Mensch durch das Zusammenspiel mit der Umwelt, mit anderen Menschen und in der Reflektion mit sich selbst immer einem Wandel unterzogen ist.
AntwortenLöschenOb man unbedingt wissen muss, wie man ist? Meiner unbedeutenden Meinung nach sollte man wissen, wie man ist. "Ich denke, also bin ich." Descartes. Das begründet es eigentlich auch schon. Es geht eigentlich um die Projektion unserer Selbst. Heißt: gibt es eine Sache, nur weil ich denke, dass es sie gibt? Sobald ich daran denke, dann gibt es sie. Also ja. Und so verhält es sich auch mit uns, denn durch das bewusste Klarwerden unserer Selbst mit unseren Eigenarten, Ausschreitungen, Facetten und allen feinen Nuancen werden wir erst zu der Person, die wir sind. Ob man wissen sollte, wer man sein sollte? Nein, denn man soll nur so sein, wie man ist. Diese Frage ist also meiner Meinung nach überflüssig.
Und zu guter letzt mag ich die Frage beantworten, wie ich dich mögen kann, obwohl du selbst nicht einmal weißt, wer du bist.
Ansatz a) Ich mag im Grunde genommen nicht dich als Person, sondern dich als meine Projektion von Duc Ha. Das heißt, dass jeder in seiner subjektiven Welt eine andere Sicht auf die Welt hat und sich die Welt im grunde genommen mehr oder weniger zurecht denkt. Und in deinem Falle projeziere ich mir sympatische Eigenschaften auf deine Person. So kann Sympathie für dich entstehen, völlig unabhängig von deiner wirklichen/objektiven - sofern es das gibt... - Person. Das kann natürlich auch auf dem anderen wege passieren. (So entsteht übrigens die sofortige Sym -und Antipathie.)
Ansatz b) Ich mag dich einfach als Gesamtbild von Duc Ha. Dein jetziges Gesamtbild sympatisiert mit meinen Wert -und Moralvorstellungen. Das kann sich natürlich im Laufe der Zeit so sehr ändern (Erinnerung: Entwicklung = nicht aufhörender Prozess), dass diese Symapathie ein Ende findet. Das heißt, dass die Freundschaft, wie alles andere, nur ein Fragment der Zeit ist... wobei Zeit auch nur relativ ist.
Aber es ist mir, glaube ich, um diese Uhrzeit und zu diesen Umständen gerade unmöglich weitere hochwertige Antworten auf deine Fragen zu geben.
Bin mal pennen... oder so. :)
Du wirst deinen Weg gehen und ich begleite dich.
Mister Ausschnitt.
Interessanter Blogpost. : )
AntwortenLöschenSo wie ich es verstanden habe, siehst Du Dich mit ein paar grundlegenden Charakterzügen ausgestattet, was feinere Ausprägungen der Persönlichkeit und die Motivationen hinter Deinen Handlungen angeht aber in ständigem Wandel. Richtig verstanden?
Falls ja: interessant — ich erlebe das bei mir anders. Mein Selbstbild hat in der Zeit seit ich es bewusst wahrnehme einen großen Umschwung vollzogen: vom akzeptanzgesteuerten Mitläufer, der hervorkam, sobald ich mich auf die Jugend zusteuernd plötzlich als 'eigenständige' Person in einer Gesellschaft Anderer vorfand, hin zu einem seine Eigenarten und das Leben genießenden Individualisten. Abgesehen davon sehe ich in meinem Selbstbild keine Umschwünge, sondern lediglich Präzisierung beziehungsweise kontinuierliches Vordringen in eine mehr oder weniger einheitliche Richtung.
Natürlich, im Detail herrscht Chaos; andernfalls müsste ich ja einen bis ins Kleinste ausgearbeiteten Lebensplan vor mir haben. Doch wie gesagt ... ich sehe bei mir weniger ein Hin und Her, viel eher eine Ausarbeitung und Verfeinerung der Persönlichkeit. Bestehendes wird nicht verworfen und überschrieben, auf dem bereits Vorhandenen wird weiter und weiter aufgebaut. Ich würde also sagen meine grobe Richtung habe ich gefunden, die Entwicklung wird trotzdem nie aufhören. : ) Andernfalls wäre die Offenheit für Neues ja auch hinfällig. Und die ist wichtig. °_°
"Die meisten Menschen jedoch entscheiden sich immer für eine bestimmte Richtung. Wie also können sie sich dafür entscheiden, mich zu mögen wie ich bin?"
Ganz einfach: Dein Selbstbild — das Bild das Du von Dir hast — ist unklar, weil Du Dich in einer Findungsphase siehst, von der Du sagst, dass sie nicht zu enden braucht. Sprich: Du hast Dich nicht entschieden, wie/als was Du Dich sehen willst. Andere haben das offenbar aber schon. Wie Du selbst sagst: Andere entscheiden sich immer für eine Richtung, also ist ihr Urteil darüber, wie sich Dich sehen, auch gefällt, ganz egal ob Du nun weißt, was Du von Dir halten sollst. Denn ich denke so wechselhaft, dass man nun gar nichts über Dein Wesen aussagen könnte, ist Deine Persönlichkeit auch wieder nicht.
Außerdem ist ein Selbstbild ja auch weitaus komplexer als das Bild, dass man von einer anderen Person hat. Schließlich definiert man sich nicht nur über das, was man Tut und Denkt, sondern auch über die Gründe und Motivationen, die dahinterstecken.
Nya, jetzt bin ich auch müde — harter cut, gn8.
tülü <3
PS: and they told me we had a new lighting with blueish LEDs and thus the meat had this strange color ... I was wondering the hole day why the hell the vegetables after all looked just normal ._.
"Wann endet dieses unangenehme Prozedere, fragen sich nun vielleicht einige? Wenn Du Glück hast: niemals! " - dem kann ich mich nur anschließen : ) selbstfindung und bildung einer identität hört nicht auf einmal auf. wenn ich wirklich wissen möchte wer ich bin wäre die letzte person die ich fragen würde ich selbst.
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